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Greenwashing in Kamerun

Der Regenwald des Kongobeckens ist nach dem Amazonasgebiet der größte tropische Regenwald der Erde – und ein Ort, an dem die Deutsche Bank Greenwashing betreibt.

Der afrikanische Kontinent ist von den negativen Auswirkungen der Klimakrise mit am stärksten betroffen – deshalb ist die Zerstörung der Regenwälder hier besonders schlimm. Die Deutsche Bank ist an dieser Zerstörung beteiligt: Sie hat 2020 einen Kredit über 25 Millionen US Dollar an den Betreiber einer Kautschukfabrik in Kamerun gewährt, für dessen Plantagen bereits Regenwald weichen musste. Mit 10.000 Hektar ist die Fläche so groß wie Paris. Besonders verheerend: Satellitenbilder zeigen, dass das Gebiet weniger als einen Kilometer vom berühmten Dja-Fauna-Waldgebiet entfernt liegt. 

Das Dja-Gebiet gehört seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es ist nicht nur die Heimat vieler Primatenarten, sondern auch von Waldelefanten, Waldbüffeln, Riesenschuppentieren und Bongoantilopen.

Der Kahlschlag vertrieb die indigene Gemeinschaft der Baka aus dem Gebiet. Sie verlor damit nicht nur ihr Land, sondern auch den für sie so wichtigen Zugang zu den Tieren und Pflanzen, auf die sie angewiesen ist. Der Bau der Fabrik zerstört Siedlungen, ohne dass ein Umsiedlungsplan oder eine Entschädigung vorliegt. Das ist ein klarer Verstoß gegen die UN-Deklaration über die Rechte indigener Gemeinschaften.

Greenwashing mit Kautschuk

Verantwortlich für den Kahlschlag sind die in Singapur ansässige Halycon Agri und ihre kamerunische Tochtergesellschaft Sudcam, die ein schmutziges Kautschukplantagengeschäft betreiben. Kautschukplantagen sind in Kamerun einer der massiven Treiber der Waldzerstörung. Bereits im Jahr 2018 hat ein Bericht von Greenpeace auf die schmutzigen Geschäfte von Halycon Agri aufmerksam gemacht. Das Großunternehmen steht für Menschenrechtsverletzungen, mangelnde Transparenz und einige der verheerendsten Waldrodungen in Afrikas jüngerer Vergangenheit.

Das passt also nicht ins Rahmenwerk für den Umgang mit Umwelt- und Sozialrisiken der Deutschen Bank – denn diese versprach „einen neuen Standard für die Kautschukindustrie“ und verpflichtete sich dazu, „wissentlich keine Aktivitäten innerhalb oder in unmittelbarer Nähe eines Weltkulturerbes zu finanzieren“.

„Das von der Deutschen Bank geförderte Unternehmen hat indigene Baka vom Land ihrer Vorfahren vertrieben, ohne auch nur die geringste Anstrengung zu unternehmen, diese Menschen im Vorfeld zu informieren und ihr freiwilliges Einverständnis zur Umsiedlung einzuholen“ sagt Irene Wabiwa, Internationale Projektleiterin zum Schutz des Kongobeckens von Greenpeace Afrika. „Dass die Deutsche Bank diesen Kredit als nachhaltige Investition bezeichnet, ist ein Paradebeispiel für Greenwashing.“

Gigantische Wälder, riesige Moore

Die tropischen Wälder in Kamerun gehören zum Regenwald des Kongobeckens. Der riesige Tiefland-Regenwald im Einflussbereich des Kongo-Flusses erstreckt sich über ganz Zentralafrika von Kamerun über Äquatorialguinea, die Zentralafrikanische Republik und Kongo-Brazzaville bis an die Ostgrenzen der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo). Er ist mehr als viermal so groß wie Deutschland. 

Hier befindet sich ein Ökosystem, das mehr als 60 Millionen Menschen mit Nahrung, frischem Wasser, Schutz und Medizin versorgt. Zudem ist es die Heimat vieler bedrohter Arten, darunter Waldelefanten, Berg- und Flachlandgorillas, Schimpansen, Bonobos, Okapis sowie fast 1.000 Vogelarten. Der Wald bietet Millionen von Menschen Schutz und Nahrung – und ist die Quelle ihrer medizinischen Versorgung. Einige der hier lebenden Indigenen, wie die  nomadischen Pygmäen, verlieren mit diesen Wäldern ihre Kultur und ihre Heimat. Die größte Bedrohung für sie alle ist der industrielle Holzeinschlag. 

Ein besonderer Schatz in den Wäldern des Kongo-Beckens ist sein großer Moorkomplex. Im Jahr 2017 kartierten Forscher:innen die Cuvette-Centrale-Torfgebiete an der Grenze der Republik Kongo und der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Sie fanden heraus, dass sie 145.500 km² bedecken – eine Fläche, größer als England. Laut Schätzungen speichert der Torf über 30 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Das entspricht den weltweiten CO₂-Emissionen von drei Jahren und macht die Region zu einem der kohlenstoffreichsten Ökosysteme der Erde.

Mit ihrem Kredit unterstützt die Deutsche Bank wissentlich Menschenrechtsverletzungen, Intransparenz und einige der verheerendsten Abholzungen des letzten Jahrzehnts in Afrika. Sie verstößt damit gegen ihre selbst gesetzten Richtlinien. „Greenpeace fordert die Deutsche Bank auf, ihren folgenschweren Kredit an Halcyon Agri sofort zu kündigen“, sagt Expertin Wabiwa.

Proteste für ein starkes EU-Waldschutzgesetz

Auch die EU unternimmt  bisher nichts für den Schutz der Wälder vor der Kautschuk-Industrie. Nach bisherigem Kenntnisstand steht Kautschuk nicht auf der Liste für das neue EU-Waldschutzgesetz. Das hieße, dass weiterhin Kautschuk aus Waldzerstörung in die EU importiert werden dürfte. 

„Kautschuk gilt als einer der wichtigsten Treiber der Waldzerstörung in Kamerun“, erklärt Ranece Jovial Ndjeudja, Wald-Kampaigner von Greenpeace Afrika. „Diesen aus der EU-Waldschutz-Gesetzgebung auszuschließen, stellt den Sinn des Gesetzes in Frage.“

Im August protestierten Greenpeace-Aktive daher in der Kamerunischen Hauptstadt Jaunde vor der EU-Delegation. Dort forderten sie, dass die neue EU-Gesetzgebung Waldzerstörung und Menschenrechtsverletzungen bei der Kautschukgewinnung verbietet. Darüber hinaus sei eine Regulierung des Finanzsektors unerlässlich. Banken dürften keine Kredite an Firmen vergeben, die im Zusammenhang mit Waldzerstörung stehen. Der Protest stieß national und international auf großes mediales Interesse.

 

(Artikel vom 16.04.2021, aktualisiert am 11.10.2021)

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Das Logo des Greenpeace-Segelschiffs 'Rainbow Warrior III'.

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