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Schaufeln von Thunfisch und Beifang aus dem Netz der Albatun Tres, dem größten Ringwadenfänger der Welt. Greenpeace-Aktivist:innen befinden sich auf einem Schlauchboot neben dem Schiff und dokumentieren die Fangtätigkeit.
© Paul Hilton / Greenpeace

Fischerei

Leere Meere verhindern

Die Weiten der Ozeane erscheinen grenzenlos, ihre Ressourcen sind es nicht. Und doch bricht unser Hunger nach Fisch jedes Jahr neue Rekorde.

Blaue Leere, wo sich vor 20 Jahren noch bunte Fische tummelten: Schon beim Hobby-Tauchen fällt auf, wie dramatisch leergefischt unsere Meere sind. 

Vor allem die Fischgründe des Nordatlantiks und des Mittelmeers wurden mit gigantischen Schleppnetzen befischt; im Indischen Ozean kommen trotz internationalem Verbot immer noch Treibnetze zum Einsatz. Millionen Tonnen Jungfische und andere Meeresbewohner verenden als nutzloser Beifang. Auch in unseren heimischen Gewässern wird die Lage immer dramatischer: So ist der Dorschbestand in der Ostsee inzwischen kollabiert.

Um trotzdem die enorme Nachfrage nach Fisch zu decken, unternehmen internationale Fangflotten mittlerweile weite Reisen. Vor allem die Fischgründe vor Westafrika haben es ihnen angetan. Gigantische Fabrikschiffe plündern dort ganze Fischbestände und entziehen so Millionen von Küstenbewohner:innen die Existenzgrundlage.

Greenpeace setzt sich für eine nachhaltige Fischerei, gegen die internationale Piratenfischerei sowie für realistische Fangquoten ein, die auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen basieren und sich nicht am Bedarf orientieren. Sonst bleiben spätestens ab dem Jahre 2050 die Fischereiflotten in den Häfen – so wie sie es in der Ostsee teilweise jetzt schon tun müssen, weil Bestände zusammenbrechen und manche Fischfangquoten auf Null gesetzt sind.

Probleme der Fischerei

Seit 1970 hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt und gleichzeitig mehr Appetit auf Fisch entwickelt. Lag der pro-Kopf-Verzehr damals weltweit noch bei unter 10 Kilo pro Jahr, ist er heute auf über 20 Kilo gestiegen. Um unser aller Appetit auf Fisch und Meeresfrüchte wie Garnelen und Muscheln zu stillen, gehen täglich Millionen Fischer:innen mit ihren Booten auf Fang, von der kleinen Piroge über den durchschnittlichen Kutter bis zum XXL-Trawler mit integrierter Fischfabrik und einer Ladekapazität von über 6.000 Tonnen.

Und dabei geht es nicht nur um unseren direkten Hunger auf Fisch, sondern auch um Tierfutter. In der Fischmehl-Fischerei in der Nord- und Ostsee werden zum Teil noch lebende Fische, etwa Sandaal und Sprotte, zu Fischmehl und Fischöl verkocht. Jedes Jahr enden weltweit über 30 Millionen Tonnen Fisch als billiges Futter für Hühner, Schweine oder auch Garnelen und Lachse in der Aquakultur. Für die „Produktion“ von nur einem Kilogramm Lachs können bis zu vier Kilo Fischmehl oder Fischöl nötig sein. 

Ein weiteres großes Problem sind die industriellen Fischereiflotten. Auf ihren Raubzügen orten sie große Schwärme per Echolot, Radar oder Hubschrauber. Mit kilometerlangen Leinen und gigantischen Netzen fangen sie in kurzer Zeit riesige Mengen. In der Ringwadenfischerei kommen Fischsammler (englisch FADs für Fish aggregating device) zum Einsatz. Mit riesigen Netzen werden ganze Thunfischschwärme umkreist und gefangen – zusammen mit anderen Meerestieren wie Haien, Rochen und Schildkröten. Der weltgrößte Thunfischfänger „Albatun Tres“ aus Spanien kann auf nur einer Fischreise bis zu 3.200 Tonnen Fisch erbeuten und lagern. 

Hinzu kommt: Eine Industrie, die rücksichtslos die Ozeane plündert, kann auch für Menschen die Hölle sein. Die Bezahlung von Arbeitskräften macht 30-50 Prozent der gesamten Betriebskosten der Fischerei aus – ein hoher Anreiz, Personalkosten zu sparen. Es gibt Beweise, dass hauptsächlich südostasiatische Wanderarbeiter:innen mit falschen Versprechen auf Schiffe gelockt werden und dort unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und arbeiten müssen – „moderne Sklaverei“ nennt dies eine wissenschaftliche Untersuchung. 

Auf hoher See werden oft die Fänge vom Fangschiff auf Kühlschiffe übergeben, eine als Transshipment bezeichnete Praxis. Dabei können illegale Fänge verschleiert und die Fangschiffe mit neuem Proviant versorgt werden. So bleiben einige Fangschiffe zusammen mit ihrer Crew zum Teil jahrelang auf See ohne jemals einen Hafen anzulaufen – „für die Crew an Bord und ihre Familien an Land eine unzumutbare Situation“, sagt Thilo Maack, Fischereiexperte bei Greenpeace.

Greenpeace baut von Schiffen aus eine Steinmauer gegen die zerstörerische Fischerei in einem Meeresschutzgebiet vor Sylt. An Bord ist ein Transparent zu lesen: "Meeresschutzgebiete - schützt sie jetzt!".

Greenpeace-Aktive haben in Naturschutzgebieten vor Sylt und bei Rügen große Gesteinsbrocken im Meer versenkt, um hier dauerhaft Fischerei zu verhindern.

Beifang tötet viele Meerestiere

Ein weiterer Auswuchs der Fischerei ist der Beifang. In den Netzen verfangen sich neben den kommerziell verwertbaren Fischen auch andere Meeresbewohner wie Jungfische, Schildkröten und sogar Haie und Kleinwale. Sie werden an Deck aussortiert und gehen tot oder schwer verletzt wieder über Bord. Industrielle Langleinenfischer, die viele tausend beköderte Haken an bis zu 100 Kilometer langen Leinen hinter sich her ziehen, gefährden beispielsweise zahlreiche Hai- und Seevogelpopulationen. 

Besonders hohe Beifänge erzeugt die Fischerei mit Grundschleppnetzen. Sie werden für den Fang von am Meeresboden lebenden Arten wie Plattfischen und verschiedenen Krebsarten eingesetzt. Um die vor dem Netz in den Sand geflüchteten Tiere aufzuscheuchen, werden oft tonnenschwere Ketten zwischen die Netzöffnung gespannt, die alles zerstören, was ihnen im Weg steht. 

Aber auch die Treib- und Stellnetzfischerei verursacht unerwünschte Beifänge. Ein Opfer: der Schweinswal, dessen zentraler Ostseebestand zu den am stärksten gefährdeten Walpopulationen gehört. Jährlich ertrinken viele Schweinswale und tausende Seevögel in den Maschen der Netze. Insgesamt machen Beifänge jährlich bis zu 40 Millionen Tonnen aus – ein gigantisches Verbrechen an der Meeresnatur. 

Greenpeace engagiert sich für mehr Meeresschutz

  • Greenpeace-Aktivist:innen und Taucher:innen der niederländischen Organisation Ghost Fishing bergen verlorene Fischernetze (Geisternetze) im Sylter Außenriff.

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  • Fatou Samba räuchert Fisch in Bargny

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    Greenpeace unterstützt Menschen wie die Aktivistin Fatou Samba im Senegal dabei, sich gegen internationale Fischereikonzerne zur Wehr zu setzen. Diese bedrohen die Lebensgrundlage ihrer Fischereigemeinschaft.

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  • Ein Hai wird von der Besatzung eines unter iranischer Flagge fahrenden Schiffes, das im nördlichen Indischen Ozean Thunfisch fängt, als Beifang an Bord geholt.

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